675 Jahre Niederschelden
 

Niederschelden - Chronik

Niederschelden - Die Wiege des Eisenlandes

 
Niederschelden - Chronik
1330 die erste schriftliche überlieferte Erwähnung des Ortes Niederschelden
1342 wird die Alte Mühle (Bannmühle) erstmals erwähnt, in diesem Jahr wird der Mühlengraben ausgehoben (vom Siegwehr hinter dem Bühlrücken).
1417 wird die Alte Niederschelder Hütte erstmalig erwähnt.
1530 führt Graf Wilhelm der Reiche die Reformation ein.
1570 ordnet der Nassauische Graf an, daß alle Trauungen, Taufen und Sterbefälle in Registern aufgeschrieben werden sollen.
1632 Durch eine fürstliche Erbteilung kommt Niederschelden zusammen mit Klafeld, Trupbach und Seelbach zu dem Amt der vier Dorfschaften.
1682 kann der Rohbau der neuen Kapellenschule (auf dem Gelände der Burgschule) mit einem Klassenzimmer gefeiert werden.
1695 verlässt der Georg Giebeler wegen hoher Schulden den Ort und siedelt in Niederschelderhütte an. Der Ort gehört zur Grafschaft Sayn und er kann dort nicht verfolgt werden. Erster Einwohner von Niederschelderhütte
1717 wird die Waldgenossenschaft Niederschelden gegründet
1742 Oberhalb des Dorfes (im Bereich des jetzigen Pocheweihers) steht  eine Kupferhütte sowie ein Poch – und Waschwerk
1763 wandern 22 Personen aus unserem Ort nach Amerika aus
1786 wird das Haus Zeil 19/21 (Gewerkehaus Kreutz) gebaut.
1815 kommt Niederschelden zusammen mit dem Kreis Siegen zu Preußen.
1836 eröffnet Friedrich Krämer eine Schmiede
1839 wird mit dem Bau der Straße von Siegen nach Niederschelden bis zur Provinzgrenze begonnen und 1844 dem Verkehr übergeben.
1856 wird beim heutigen Bahnhof der erste Spatenstich für die neue Eisenbahnlinie ausgeführt.
1858 gründen die Gewerken Carl Viktor Emil Schneider und Johannes Holdinghausen die Ziegelei Schneider und Holdinghausen.
1861 fährt der erste Zug von Betzdorf nach Siegen, gleichzeitig tritt der erste Fahrplan für die Eisenbahn in Kraft. Die Strecke wurde von Anfang an zweigleisig gebaut. Eine Fahrt nach Siegen kostete 1 ½  Silbergroschen (15 Pfennige in der vierten Wagenklasse von Niederschelden nach Siegen).
1863 Grundsteinlegung der Charlottenhütte.
1864 gründen die Gebrüder Kreutz eine Aktiengesellschaft  Charlottenhütte. Schon im Februar wird der erste Hochofen angeblasen.
1865 eröffnet Jakob Daub im Haus Maccostrasse eine Bäckerei und Gastwirtschaft. Aus diesem Unternehmen wird durch Einheirat die heutige Bäckerei und Konditorei Hüttenhain. 
1870/1871 baut der Maurermeister Johann Sänger die neue Schule (Heute: Alte Burgschule)
1875 wird der evangelische Jungmännerverein mit 23 Mitgliedern gegründet
1878 wird Niederschelden vom Amt Weidenau abgetrennt und dem Amt Eiserfeld zugeordnet.
1883 gründen 22 Handwerksmeister eine Unterstützungskasse
1885 wird die Erzquell Brauerei Siegtal von Hermann Burgmann und Heinrich Wildenberg gegründet.
1889 wird der Dachdeckerbetrieb Afflerbach und Nassauer gegründet.
1892 wird die neue evangelische Kirche eingeweiht. Der Gewerke Adolf Kreuz hatte zum Bau 8.500 Goldmark gespendet (ca. ein Fünftel der Bausumme).
1893 kauft der Johann Holdinghausen von der Haubergsgenossenschaft ein 360 Ruten großes Grundstück und stellt es dem Turnverein zum Bau einer Turnhalle zur Verfügung.
1900 eröffnet der Sattlermeister Hermann Schumacher auf der Bahnhofstrasse  (jetzt Hüttenplatz) eine Polsterei und Sattlerei.
1900 eröffnen Egideon und Karl Hees in der Bahnhofstrasse 17 ein Optik- und Uhrmacherfachgeschäft.
1904 Eröffnung der Apotheke Cäsar, heute Glück-Auf-Apotheke Schweißfurth.
1905 der Bäckermeister Robert Weiß eröffnet in der "Waldstraße 1" seine Bäckerei.
1907 wird die alte Kapellenschule abgerissen.
1909 wird der evangelische Volksverein gegründet.
1914 - 1918 der 1. Weltkrieg hatte für Niederschelden und Niederschelderhütte ... Gefallene zur Folge.
1919 eröffnet der Metzgermeister Gustav Wirths eine Metzgerei (heute Metzgerei Hermes).
1920 wird der Neue Friedhof auf dem Hubenfeld eingeweiht.
1930 die Belegschaft der Charlottenhütte im Werk Niederschelden beträgt 1.200 Beschäftigte.
1933 wird die Tischlerei und das Bestattungsunternehmen Molly eröffnet.
1935 eröffnet Wilhelm Hench einen Elektrofachhandel mit Handwerksbetrieb.
1936 werden die Dreisbachsiedlung mit der Waldesruhsiedlung gebaut.
1945 werden durch die deutsche Wehrmacht alle Brücken gesprengt. Darunter auch 3 Brücken auf dem Betriebsgelände der Charlottenhütte.
1939 - 1945 der 2. Weltkrieg hatte für Niederschelden und Niederschelderhütte ... Gefallene zur Folge.
1957 Einweihung der kath. St. Liborius – Kirche.
1958 wird der runde Bau der Gärtnerei Giebeler eröffnet (heute: Pavillion Siegtalstraße).
1961 landet Willi Brandt mit dem Hubschrauber auf dem Rosengarten, vor dem Hotel Storch wird er von Hermann Schmidt, Karl Maurer und der Bergknappenkapelle begrüßt. Anschließend besichtigt er das Siegerland.
1963 beschließt der Gemeinderat den Bau einer 14klassigen Volksschule auf dem Hubenfeld. Die Baukosten werden auf 2,5 Mill. DM geschätzt, ein Architektenwettbewerb wird ausgeschrieben.
1963 wird der achtklassige Erweiterungsbau der Dreisbachschule eingeweiht, der Architekt Hans Becker übergibt den Schlüssel an Bürgermeister Diehl.
1964 berichtet das Fernsehen in einem 10-Minuten-Film über die Vereinigungspläne von Niederschelden und Schelderhütte. Es sprechen Bürgermeister Karl Maurer und Rudolf Schütz.
1966 kommt Niederschelden im Rahmen des 2. Siegerland-Neuordnungsgesetzes zur neuen Stadt Eiserfeld. Die letzte Gemeinderatssitzung findet am 29. Juni statt. Dr. Werner Mühlfeld wird Landesbeauftragter für die Aufgaben des Stadtdirektors.
1966 wird das renovierte und erweiterte Mahnmal am Kirchberg eingeweiht.
1967 wird die Hubenfeldschule eingeweiht, in einem Festzug marschieren die Kinder und ihre Lehrer vom alten Schulhof auf das Hubenfeld.
1967 wird der alte Friedhof in Niederschelden geschlossen.
1970 wird die neue Siegbrücke zur Landesgrenze für den Verkehr freigegeben. Sie ersetzt die alte Brücke aus dem Jahr 1946. 
1973 wird der Grundstein für das Gymnasium unter der Anwesenheit vieler Prominenter gelegt.
1974 die Rundturnhalle auf dem Hubenfeld wird eingeweiht.
1975 wird Niederschelden zusammen mit  anderen Stadtteilen der Stadt Eiserfeld im Rahmen des 3. Siegerland-Neuordnungsgesetzes der Stadt Siegen  zugeordnet.
1975 wird der neue Kindergarten in der Zeil eingeweiht.
1981 wird die Stahlerzeugnis in der Charlottenhütte stillgelegt.
1981 Gründung der Heimat – und Verschönerungsgruppe im Volksverein. Zum 1.Vorsitzenden wird Ernst Windolf gewählt.
1982 Umnutzung der Burgschule I zum Bürgerhaus Niederschelden.
1987 wird das Industriedenkmal durch die Heimatgruppe errichtet und eingeweiht.
1995 Eröffnung des Heimatmuseums im Obergeschoss des Bürgerhauses Niederschelden (Darstellung des historischen Arbeitsbereiches).
1999 die letzte Arbeitsschicht wurde am 5. März am Stahlstandort Niederschelden gefahren. Die noch verbliebenen 80 Beschäftigten wurden dem Werk Geisweid zugeteilt.
2000 Vergrößerung des Heimatmuseums um einen weiteren Raum im Obergeschoss des Bürgerhauses Niederschelden (zusätzliche Darstellung des historischen Wohnbereiches).
 
Niederschelden - Die Wiege des Eisenlandes

von Gerhard Scholl und Friedrich Schmidt

Am Anfang war das Eisen. Man muss etwa zweieinhalb Jahrtausende zurück gehen, um zu den ersten gesicherten Spuren menschlichen Lebens und Werkens in unserer Gemarkung zu gelangen. In der Früh-La-Te`ne Zeit (ab ca. 500 v. Chr.) waren es die Kelten, die vom Süden in unser Land kamen und hier alle Voraussetzungen fanden, um kostbares Erz zu schmelzen. Die benötigten Eisenerze traten in Erzadern offen zu Tage. Ohne viel Aufwand wurden große Mengen an Brauneisenstein gefunden. Wie die letzten Ausgrabungen im Jahre 2000 beweisen, wurde hier schon um 300 v. Chr. das im Eisengehalt höher liegende Hämatiterz verhüttet. Diese Erze wurden im Gosenbacher Raum, besonders in der Lurzenbach, gefunden und von da in das Verhüttungszentrum des Felsenbachtals geschafft. In unserem waldreichen Gebiet gab es genügend Holz, um die für den Schmelzprozess benötigte Holzkohle zu erzeugen und es rauchten im Eisenland viele Kohlenmeiler. Durch die Spatenforschung, besonders durch den Lehrer Otto Krasa aus Gosenbach, wurden hier in unserer engen Umgebung mehrere hundert Schmelzstellen entdeckt. Diese große Anzahl von Windöfen wurde sonst nie mehr in ganz Mitteleuropa vorgefunden. Den letzten Beweis erbrachte die Freilegung eines ganzen Schmelz-Zentrums im Jahre 2000 an der Warthestraße im Bereich des Felsenbach. Es wurden 5 Windöfen auf engstem Raum mit einer Erzaufbereitung gefunden. Die wissenschaftlichen Ausarbeitungen des Amtes für Denkmalschutz Münster und der Montanarchäologie des Deutschen Bergbau-Museums Bochum ergaben, dass es sich um eines der größten Schmelzzentren nördlich der Alpen gehandelt hat. Es wurden bis dahin völlig unbekannte Schmelztechniken entdeckt, die z. Z. durch eine Doktorarbeit wissenschaftlich ausgearbeitet werden. Aus den jetzt gewonnenen Erkenntnissen kann man erklären wie groß damals schon das Interesse an dem Besitz des Eisenlandes war. Das erzeugte Eisen war auf einmal kostbarer als Gold und bedeutete Macht und Einfluss. Deshalb verlief mitten durch unsere Gemarkung die Grenze zwischen den Fürstentümern Siegen/Nassau und Freusburg/Sayn. Auch die Bistümer Köln, Mainz und Trier zeigten großes Interesse, um ihre Macht in diesen Raum auszudehnen.

Trotz des Fehlens schriftlicher Unterlagen und Beweise ( so schreibt Böttger – Siedlungsgeschichte des Siegerlandes) darf man als sicher annehmen, dass unser Gebiet in früherer Zeit ein Teil des fränkischen Reiches war. Von den Kelten lernten die germanischen Stämme und die Franken die Kunst der Verhüttung der Eisenerze und deren Weiterverarbeitung. Das Eisenland am Oberlauf der Sieg war ein sehr begehrtes Land.

Vom 1. Jahrtausend liegen aber keine schriftlichen Überlieferungen vor. Erst nach der Christianisierung sind in unserem Raum schriftliche Aufzeichnungen zu finden. Nur so ist zu erklären, dass unsere Dorfmark "Schelten" 1330 zum ersten Mal in den Akten des Klosters Deutz/Köln erwähnt wird. Hermann von Holdinghausen musste Abgaben für sein Gut an das Kloster Deutz leisten.

Zur selben Zeit wird auch von einem herrschaftlichen Hof und Gütern in Schelten berichtet. Der Besitz gehörte Ritter Eberhard von Wilnsdorf und den Kolben von Wilnsdorf (Chronik Naussauer). Wie in der Chronik der Gemeinde Mudersbach (von Herrn Otto Becher) berichtet wird waren es Bürger aus Schelten, die schon im 12. Jahrhundert große Liegenschaften von Freusburg/Sayn Gemarkung Mudersbach erwarben. So war das Gebiet der jetzigen Niederschelderhütte bis zur Brauerei sowie das Gelände am Schinderweiher vorbei bis zu den Pingen am Roten Hahn im Dreiborntal im Besitz von Bürgern aus Niederschelden (ein großer Teil der Liegenschaften ist bis heute noch Schelder Hauberg). Wie aus der frühgeschichtlichen Betrachtung hervorgeht waren es schon immer die Berg- und Hüttenmänner, die unseren Ort prägten und die alte Tradition unserer Vorfahren fortsetzten.

So wurde die untere Hütte am Gosenbach, die schon nach einer Urkunde im Staatsarchiv Koblenz im 13. Jahrhundert erwähnt wird, als die Alte Schelderhütte bezeichnet. Die Erzschmelzstätte wurde direkt auf die Grenze auf das Gebiet der Grafschaft Sayn/Freusburg gebaut. Es waren überwiegend Hüttenleute aus Niederschelden, die dort schon sehr früh Roheisen erzeugten. Die dadurch auftretenden Probleme waren schon damals zu erkennen. Wie bei früheren Grenzstreitigkeiten zwischen Sayn/Freusburg und Nassau/Siegen schon im 13. Jahrhundert festgelegt, wurde der Grenzbereich nur wirtschaftlich genutzt aber nicht besiedelt. Nur so ist erklären, dass erst 1735 ein Zollhaus erwähnt wird. Die Abgaben, die an der Grenze beim Übergang in die Grafschaft Siegen/Nassau erhoben wurden – besonders für Holzkohle, Eisenerze und Roheisen - , gingen an Mudersbach bzw. Sayn/Freusburg. In einem Hausverzeichnis von 1744 sind im Bereich der jetzigen Niederschelderhütte 3 Häuser (25 Einwohner) aufgeführt, im Jahr 1845 sind es  erst 5 Häuser (31 Einwohner).

Die weitere Entwicklung der Industriegemeinde Niederschelden.

Unsere Ortsbezeichnung, die in den alten Akten als Schelten oder auch Nidderschelt bezeichnet wird, ist vom Bachlauf der Buschschelte abgeleitet. Bis zum heutigen Tag wird der Oberlauf im Ort Oberschelden noch so benannt.

Um 1400 begann die Nutzung der Wasserkraft und wurde zu einer der wichtigsten Energiequellen. Über große Wasserräder wurden aus Tierhäuten und Holzrahmen gebauten Blasebälgen angetrieben. Jetzt konnte der zur Verhüttung benötigte Wind gezielt den neuen Blasöfen zugeführt werden. Die vielen kleinen Windöfen an den Berghängen sowie die Waldschmieden konnten nun geschlossen werden. Die neuen Hütten und Schmieden wurden in den Tallagen errichtet. So wurde dem Scheltebach schon früh das Wasser abgegraben und in dem Hüttenweiher zwischen Gosenbach und Oberschelden gestaut. Das Wasser wurde über einen gesonderten Graben auf das Wasserrad der Oberen Hütte am Gosenbach geleitet und dann in den Gosenbach geführt. Das Wasser wurde noch mehrmals genutzt. Die im Gosenbacher Tal liegenden Kupferhütten sowie die Poche in Niederschelden und als letzte noch die Alte Schelder Blashütte konnten mit der notwendigen Wasserkraft des Gosenbachs versorgt werden. Um für die oben aufgeführten Anlagen genügend Wasser zu haben, hatte man zusätzlich den Wittersbach im jetzigen Schinderweiher aufgestaut und mit dem Wasser des Dreienborn in einem separaten Wassergraben über den Rosengarten und weiter unterhalb des Berbhangs am Honigsmund auch zur Oberen Hütte am Gosenbach geleitet. Trotz dieses großen Aufwandes war man aber immer noch abhängig von Wetter und Jahreszeit. Aber schon im Mittelalter machten die Hüttenleute eine Erfahrung, die uns heute noch sehr modern erscheint: Das Wachstum hatte Grenzen und damals ging es vor allem um die Energieversorgung. Die Nachfrage nach dem begehrten Eisen stieg laufend an. Schon sehr früh mussten von den Berg- und Hüttenleuten große Probleme gelöst werden. Durch den technischen Fortschritt erzielten die Blashütten immer höhere Leistungen. Es wurde mehr Holzkohle und Eisenerz benötigt. Viele neue Arbeitsplätze entstanden, die Einwohnerzahlen stiegen stetig an. Nach den beiden bereits um 1440 erwähnten Blashütten am Gosenbach wurde schon 1465 die Grube Alte Dreisbach genannt. Ebenfalls waren die Gruben im Dreiborntal schon sehr früh die Lieferanten von guten Eisenerzen für die Blashütten. In Niederschelden wurden noch die Eisenerz- und Kobaldgrube Bunte Kuh und die Kobaldgrube Junkernburg betrieben. Im 16. Jahrhundert wurden in Niederschelden 26 Häuser mit insgesamt 122 Einwohnern gezählt, und dann kam das 19. Jahrhundert mit der Erfindung der Dampfmaschine und der neu entdeckten Steinkohle. Eine neue Zeit hatte begonnen mit einem atemberaubenden Tempo. Die Dampfmaschine mit all den Möglichkeiten machte das Rennen. Sie war stark, sie war unermüdlich und konnte an jedem Standort arbeiten. Ganz neue Möglichkeiten zeichneten sich ab. Tiefere Schächte in den Gruben, wirksamere Öfen und größere Schmiedehämmer, Umbruch wohin man auch sah. Siegerländer Eisen und Stahl waren überall begehrt – weit über unsere Grenzen hinaus. Durch den Bau der Köln-Deutz-Gießener Eisenbahn und der Ruhr-Sieg-Bahn gab es jetzt eine leistungsfähige Verkehrsverbindung zwischen Kohle und Erz und somit eine enge Verbindung der Reviere an Rhein, Ruhr und Sieg. Sie wurde sofort stark genutzt, Tag und Nacht rollten die Güterzüge. An der Erzstürze am Bahnhof Niederschelden wurde Tag und Nacht Eisenstein umgeladen und in Güterzüge zusammengestellt. Im Jahre 1858 zählte Niederschelden 574 Einwohner. 1864 wurde die Charlottenhütte AG gegründet und 2 neue Hochöfen auf Koksbasis gebaut. Die Leistung lag weit über der der anderen Konkurrenten im Siegerland. Aber es gab sofort schon große Sorgen, die Konzerne an Rhein und Ruhr bauten neue große Hüttenwerke auf. Die Betreiber der Charlottenhütte AG hatten schon zeitig erkannt, dass dringend ein Stahlwerk mit einer Weiterverarbeitung zu Fertigprodukten das Überleben der Stahlindustrie im Siegerland ermöglichte. So wurde um 1900 der Wiesengrund unterhalb des Hochofenwerkes aufgeschüttet. Auf die so gewonnenen Flächen über der Sieg auf rheinländischem Boden wurden ein Stahlwerk mit 3 Siemens-Martin-Öfen, Hammerwerk, Ringwalzwerk, Grobblechwalzwerk und umfangreiche Fertigungswerkstätten gebaut. Der Stahlstandort Niederschelden war geboren! Aus der ganzen Umgebung zog es die Bürger in die Nähe der neuen Arbeitsstellen. So wurden damals über 2000 Mitarbeiter beschäftigt. Die benötigten Stahlwerker und Fachingenieure sowie Hüttenarbeiter siedelten sich meist in Niederschelderhütte an. Bestand die Niederschelderhütte 1860 noch aus lediglich 12 Häusern (Niederschelden zählte bereits 1.173 Einwohner), stieg die Einwohnerzahl von nun an stark an. Bereits 1905 wohnten in Niederschelderhütte 2.035 Menschen (zum Vergleich: Mudersbach und Birken zusammen 1.378 Einwohner). Jedoch ging mitten durch die Ortsteile weiterhin die Landesgrenze. So nannte man im Volksmund das Gebiet der Niederschelderhütte "Det Viertel", die Bewohner fühlten sich eng mit Niederschelden verbunden. Der Mittelpunkt ist aber bis heute der im Siegerland einmalige Schelder Schossi!

Auch wenn die eigentliche Stahlproduktion bereits 1881 endete, konnte die Charlottenhütte ihren Standort bis 1999 gegen die großen Konzerne von Rhein und Ruhr behaupten. Am 5. März 1999 wurde die letzte Schicht am alten Stahlstandort gefahren. Die noch verbliebenen rd. 80 Beschäftigten wurden vom Werk Geisweid übernommen.

Die große Ära des Eisenlandes an der Sieg mit unserem Stahlstandort Niederschelden war nach 2500 Jahren zu Ende!

Durch den dadurch bedingten notwendigen Strukturwandel in unserer Region änderte sich auch das Gesicht der alten traditionellen Industriegemeinden Niederschelden/Niederschelderhütte. Es entstanden zwei von einander unabhängige Wohnorte. Seit der Gebietsreform ist Niederschelden als überwiegendes Wohngebiet ein Stadtteil der Stadt Siegen und gehört zum Kreis Siegen-Wittgenstein. Heute leben in Niederschelden (einschl. der Dreisbach)  5..... Einwohner.

Niederschelderhütte  ist ein Ortsteil der Gemeinde Mudersbach, die wiederum zur Verbandsgemeinde Kirchen (Kreis Altenkirchen) gehört. Die Einwohnerzahl von Niederschelderhütte beläuft sich heute auf 3.135.

Der große Wunsch der Bürger eine gemeinsame Gemeinde Niederschelden zu werden hat sich nicht erfüllt.

Wer noch mehr über unsere Industriegeschichte erfahren will ist eingeladen, sich in unserem Heimatmuseum "Auf der Burg 15" zu informieren und die neu erstellte DVD über die Wiege des Eisenlandes anzusehen.

Wir bieten Gruppen von 5 bis 25 Personen nach Vereinbarung eine gezielte Führung durch unsere Schelder Geschichte einschließlich Filmvorführung an.

 "Glück Auf!"